Die Chancen und Risiken der Digitalisierung

Am Runden Tisch mit den Bereichsleiter:innen der dbh Logistics IT AG

Die ersten Kunden kamen aus der Hafenwirtschafts-Branche, doch die dbh hat ihr Portfolio über die Jahre stetig erweitert und gilt nun als Marktführer in Sachen Digitalisierung in den Bereichen Logistik, Handel und Industrie. Der bisherige Erfolg spricht für sich, doch die nächsten Herausforderungen warten bereits. Eine Einschätzung der Bereichsleiter:innen.

Stichwort Digitalisierung: Wie sieht es derzeit in den einzelnen Abteilungen bei dbh aus? In welchen Bereichen läuft es bereits gut, wo gibt es noch Entwicklungspotenzial?

Die Digitalisierung hat nicht nur bei unseren Kunden, sondern auch im Unternehmen eine hohe Bedeutung. Es gilt sich einem kontinuierlichen Veränderungsprozess zu stellen. Dieser wird aber unterschiedlich erlebt: Einige Menschen sind offener für Veränderungen und sehen sie als Chance und Wachstumsmöglichkeit, während andere sie als bedrohlich und herausfordernd empfinden.

Maren Schulz
(Finanzen, Personal, Marketing)

Noch ist das Umdenken nicht in allen Branchen angekommen. Aber immer mehr Kunden spüren, dass die Anforderungen an Informationssicherheit nicht zu ihrem Kerngeschäft gehören, sie dort aber dringend Unterstützung benötigen – also wenden sie sich an uns.

Arndt Korsus
(IT)

Corporate Technology ist nicht so branchenbezogen wie andere Fachbereiche. Mittlerweile modernisieren Mitbewerber und Kunden ihre Systeme. Generell ist die Branche jedoch nicht „hyper-innovativ“ in ihren Systemen. Herausfordernd ist ebenso die organisatorische und technologische Bandbreite unserer Kunden.

Reinhard Rust
(Corporate Technology)

Der Zoll ist bereits weitgehend digitalisiert, die Lücken werden in den nächsten Jahren geschlossen. Entwicklungspotenzial gibt es in der Nutzung der Cloud. Eine weitere Hürde ist sicherlich der Fachkräftemangel, denn dadurch laufen viele Prozesse langsamer.

Martin de Vries
(Customs Solutions)

Im Hafenumfeld ist der Stand der Digitalisierung sehr heterogen. Die Schwierigkeiten beginnen meistens dann, wenn Daten über die Unternehmensgrenzen ausgetauscht werden müssen. Wir werden uns künftig mit Fragen wie zum Beispiel Kollaboration, Standards, Harmonisierung und Automatisierung auseinandersetzen müssen.

Holger Hübner
(Port Solutions)

Die Speditionen haben die Möglichkeiten der digitalen Transformation erkannt, allerdings erst in den letzten drei bis vier Jahren. Seitdem findet ein Umdenken statt: Die IT als Service wird verstärkt outgesourct, mehr Geld wird in Software investiert.

Marc Hasenbein
(Vertrieb)

Gut läuft es schon in der Vernetzung zwischen Speditionssoftware und weiteren Plattformanbietern, die zum Beispiel Statusdaten zu Sendungen liefern, die gerade in der Welt unterwegs sind. Die Arbeitsweise des Spediteurs bietet noch Luft nach oben. Es wird immer noch mit zu viel Papier gearbeitet, anstatt die elektronischen Möglichkeiten einer Speditionssoftware zu nutzen.

Marcus Stotijn
(Forwarding Solutions)

Die dbh hat sich über die Jahrzehnte aus der reinen Hafennische verabschiedet: Was bedeutet das aus Ihrer Sicht für den Erfolg des Unternehmens?

Wir haben uns nicht aus der Hafennische verabschiedet, sondern unser Portfolio sinnvoll und pragmatisch erweitert. Mit dem Zukauf der LOGAS wurden neue Kunden und Geschäftsfelder dazugewonnen. Auf der anderen Seite haben wir eine Software für den Speditionsbereich entwickelt. Auch hier war die Schnittstelle zum Hafen für die Speditionen ein Einstiegstor.

Holger Hübner
(Port Solutions)

Die Erweiterung des Portfolios war ein wichtiger Schritt. Mit unserer Zollsoftware konnten wir eine komplett neue Sparte Industrie und Handel erschließen. Nicht umsonst ist der Bereich Customs Solutions der wirtschaftlich stärkste Bereich der dbh. Mit der Speditionssparte und dem Rechenzentrum sind wir unglaublich breit aufgestellt. Ich kenne keinen vergleichbaren Anbieter.

Marcus Stotijn
(Forwarding Solutions)

Auf jeden Fall bedeutet es mehr Sicherheit für das Unternehmen. Der Bereich Customs Solutions beispielsweise hat zu einer starken Weiterentwicklung des Unternehmens geführt – finanziell, aber auch kulturell. Spedition und Hafen sind nun einmal im Logistik-Sektor unterwegs und diese Branche hat in der Regel nicht so viel Geld für Software.

Marc Hasenbein
(Vertrieb)

Anfangs nutzten überwiegend Speditionen unsere Zolllösung. Wir hatten aber stets die Einführer – später die Exporteure und Versender – im Fokus und haben uns hier einen signifikanten Marktanteil erarbeitet. Es gab in diesem Bereich nie nur den Blick auf Bremen, sondern wir wollten uns früh bundesweit, wenn nicht gar europaweit, aufstellen.

Martin de Vries
(Customs Solutions)

dbh versucht stets Kundenperspektive einzunehmen. Die Erweiterung unseres Portfolios basiert auf diesem Vorgehen. Die Anforderungen der Kunden finden sich nicht in einzelnen Produkten wieder, sondern vielmehr in einer sinnvollen Zusammenstellung von Services, die wir von der Idee bis zum Betrieb begleiten, mit entsprechendem Support anreichern und damit in einem Zusammenspiel vieler Disziplinen realisieren.

Arndt Korsus
(IT)

dbh muss sich zukünftig auch als Kompetenzpartner in Technologie-Fragen etablieren. In einigen Bereichen – zum Beispiel IT-Hosting oder SAP – ist dies bereits der Fall. Aber: Die Integration unserer Lösungen und Services muss zukünftig noch einfacher werden, um den Kunden die gewünschte Dienstleistung schnell und maßgeschneidert anbieten zu können.

Reinhard Rust
(Corporate Technology)

Zum Erfolg tragen natürlich auch die Mitarbeitenden bei. dbh ist in den letzten fünf Jahren mitarbeiterseitig um 46 Prozent gewachsen, sodass allein dadurch Fähigkeiten und Wissen enorm erweitert wurden. Von den heute 276 Mitarbeitenden sind 121 länger als fünf Jahre und 81 Kolleginnen und Kollegen über zehn Jahre bei dbh. Das spricht für uns und unseren Erfolg.

Maren Schulz
(Finanzen, Personal, Marketing)

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